Geldwäscherei mit Bitcoin?

6. Juli 2020

 

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind teilweise negativ belastet, da diese oftmals mit illegalen Aktivitäten wie Scams, Ransomware-Attacken oder dem Darknet in Verbindung gebracht werden. Auf der anderen Seite sehen wir einen deutlichen Anstieg von Unternehmen, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. Wie passt das zusammen?

Unternehmen, die Bitcoin als Zahlungsmittel oder für Investitionen annehmen, müssen zu einem gewissen Grad bereits heute die Herkunft der Coins überprüfen. Mehr dazu weiter unten.

Aber sind Transaktionen mit Kryptowährungen nicht anonym? Nicht ganz. Nehmen wir Bitcoin als Beispiel, hier werden alle Transaktionen zwischen Bitcoin Adressen öffentlich einsehbar auf der Bitcoin-Blockchain gespeichert. Allerdings sind im Vergleich zu Banktransaktionen keine persönlichen Daten zum Sender oder Empfänger notwendig, sondern nur eine Bitcoin-Adresse (Abfolge von 25 – 35 alphanummerische Zeichen). Diese öffentliche Speicherung ermöglicht es theoretisch jedem, eine aktuelle Transaktion bis zum Mining der Coins zurückzuverfolgen. Doch diese Daten alleine sind noch nicht aussagekräftig genug um schlüssige Erkenntnisse daraus zu ziehen ob eine Transaktion aus Sicht des Geldwäschereigesetzes legitim ist.

Es gibt zahlreiche Anbieter, welche mit dem Input einer Wallet-Adresse automatisch Wallet-Clusters aufzeigen und Transaktionen zurückverfolgen können. Zudem verfügen diese Anbieter meist über umfassende Listen mit bekannten Scammer-, Darknet- oder sonstigen Adressen, welche mit illegalen Aktivitäten in Verbindung stehen. Dank diesen Informationen findet eine gewisse Deanonymisierung der Adressen statt.

Aus der Kombination der Transaktionsanalyse, der teilweisen Deanonymisierung und weiteren Mechanismen sollen schlüssige Erkenntnisse folgen. So werden Adressen oder spezifischen Transaktionen ein Taint- oder Risk-Score zugewiesen. Dieser wird normalerweise auf einer Skala von 1 - 100 ausgedrückt und soll dem Anwender aufzeigen, wie "sauber" eine Transaktion oder eine Adresse ist. Mit diesem Score und den dazugehörigen Hintergrundinformationen sollen User dann eine Entscheidung treffen können, ob eine Transaktion angenommen werden soll oder nicht.

Erschwerend sind hier allerdings Mechanismen wie CoinJoins oder Transaktionsmixer. Diese können eine solche Verfolgung zu einem gewissen Grad sogar verhindern. Künftige Änderungen im Bitcoin-Protokoll könnten solche Rückverfolgungen theoretisch gänzlich unterbinden.

Es ist allerdings wichtig, dass man Bitcoin klar von den entsprechenden Straftaten trennt. Im Vergleich würde man nach einem Bankraub auch nicht die Legitimität oder Funktionalität von Bargeld in Frage stellen. Das Bitcoin-Netzwerk ermöglicht sehr zuverlässige Zahlungen ohne dass irgendwelche Intermediäre benötigt werden. Dies bringt einige Eigenschaften mit sich, welche für Kriminelle interessant sein können, genau wie dies auch für Bargeld der Fall ist.

Heute und in Zukunft stehen wir also vor einigen nicht ganz einfachen Fragestellungen:

  • Sollen Zahlungen mit Kryptowährungen ähnlich kontrolliert werden wie Bargeldzahlungen?
  • Wie können sich Finanzinstitute und andere Unternehmen sicherstellen, dass ausreichende Kontrollen durchgeführt werden
  • Welche Standards werden in Zukunft eingeführt um Geldwäscherei mit Kryptowährungen zu verhindern?

Falls Sie in Ihrem Unternehmen vor solchen Herausforderungen stehen oder allgemein mehr über diese Technologien erfahren möchten, unterstützen wir Sie gerne mit unserer langjährigen Expertise im Blockchain- und Kryptobereich und unserem ausgeprägten Ökosystem im Herzen vom Crypto Valley in Zug.

Ansprechperson:

Jürg

Jürg Porro

Head Business Consulting & Healthcare
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